Du hattest schon alles, was eigentlich vielversprechend wirkte. Gemeinsame Interessen, ähnliche Vorstellungen vom Leben und Gesprächsthemen, die auf den ersten Blick gut zusammenpassten. Vielleicht kam es sogar zu mehreren Nachrichten oder einem Treffen. Trotzdem entstand keine echte Verbindung.
Solche Erfahrungen gehören zu den häufigsten Widersprüchen moderner Partnersuche. Je besser zwei Menschen auf dem Papier zusammenpassen, desto überraschender wirkt es oft, wenn daraus keine Beziehung entsteht. Gleichzeitig entwickeln sich manche Verbindungen dort, wo zunächst deutlich weniger Gemeinsamkeiten sichtbar waren.
Genau dieser Widerspruch zeigt die Grenzen von Dating-Algorithmen. Sie können Interessen vergleichen, Antworten auswerten und Wahrscheinlichkeiten berechnen. Sie können jedoch nicht erfassen, wie Menschen miteinander sprechen, wie Anziehung entsteht oder wie sich Vertrauen im Laufe der Zeit entwickelt.
Trotzdem entsteht leicht der Eindruck, dass hohe Matching-Werte echte Passung vorhersagen könnten. Je präziser die Technik wirkt, desto plausibler erscheint die Vorstellung, dass Beziehungen berechenbar werden. Die Realität zwischenmenschlicher Beziehungen funktioniert jedoch deutlich komplexer.
Wer versteht, was Dating-Algorithmen tatsächlich leisten können – und wo ihre Grenzen liegen –, betrachtet Matching-Systeme realistischer und erkennt, warum echte Passung häufig erst dort entsteht, wo Berechnungen aufhören.
In diesem Artikel erfährst du:
- was Matching-Algorithmen tatsächlich leisten können
- wo die strukturellen Grenzen datenbasierter Systeme liegen
- warum Passung mehr ist als Datenähnlichkeit
- weshalb hohe Matching-Werte keine Beziehungssicherheit bedeuten
- welche Rolle Erwartungen und Selbstwahrnehmung beim Online-Dating spielen
- warum echte Verbindung erst außerhalb des Algorithmus entsteht
Transparenz-Hinweis: Einige Links auf dieser Seite sind Affiliate-Links. Wenn über solche Links ein Vertrag zustande kommt, erhalten wir eine Provision. Für dich entstehen keine zusätzlichen Kosten.

Einordnung
Dating-Algorithmen gehören heute für viele Menschen selbstverständlich zur Partnersuche. Profile werden verglichen, Interessen ausgewertet und mögliche Übereinstimmungen in Form von Matches oder Prozentwerten sichtbar gemacht. Je präziser diese Systeme wirken, desto plausibler erscheint die Vorstellung, dass sich Passung zunehmend berechnen lässt.
Genau an diesem Punkt beginnt jedoch häufig ein Missverständnis.
Dating-Algorithmen können Informationen vergleichen und Wahrscheinlichkeiten berechnen. Sie können erkennen, welche Menschen ähnliche Interessen angeben, vergleichbare Lebensziele formulieren oder bestimmte Verhaltensmuster zeigen. Was sie nicht erfassen können, ist die tatsächliche Dynamik zwischen zwei Menschen.
Zwischenmenschliche Verbindung entsteht selten allein durch Datenähnlichkeit. Humor, gegenseitige Wahrnehmung, emotionale Verfügbarkeit, Lebensphase oder die Wirkung eines Gesprächs lassen sich nur begrenzt in digitale Kriterien übersetzen. Deshalb führen selbst hohe Matching-Werte nicht automatisch zu einer passenden Beziehung.
Wer Dating-Algorithmen realistisch einordnet, betrachtet sie nicht als Beziehungsrechner, sondern als Werkzeuge zur Orientierung. Sie können helfen, Auswahl zu strukturieren und Begegnungen wahrscheinlicher zu machen. Ob daraus echte Passung entsteht, entscheidet sich jedoch erst außerhalb des Algorithmus.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht:
„Wie gut kann ein Dating-Algorithmus Menschen vergleichen?“
Sondern:
„Welche Teile menschlicher Beziehungen lassen sich überhaupt berechnen – und welche nicht?“
Genau dort liegen die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen moderner Dating-Algorithmen.
Der Matching-Wert ist hoch – die Verbindung bleibt aus
Die Plattform zeigt eine ungewöhnlich hohe Übereinstimmung an. Interessen passen zusammen, Lebensziele wirken ähnlich und der Matching-Wert vermittelt das Gefühl, dass hier etwas entstehen könnte. Trotzdem entwickelt sich das Gespräch nur langsam, bleibt oberflächlich oder endet nach kurzer Zeit wieder. Solche Erfahrungen wirken zunächst widersprüchlich. Schließlich schien doch alles zusammenzupassen. Genau hier wird sichtbar, dass statistische Übereinstimmung und tatsächliche zwischenmenschliche Passung nicht dasselbe sind.
Was Dating-Algorithmen tatsächlich leisten können
Algorithmen vergleichen strukturierte Daten. Dazu gehören:
- Alter, Standort, Interessen
- Beziehungsabsichten
- Antworten auf Persönlichkeitsfragen
- Interaktionsverhalten
- Aktivitätsmuster
Auf dieser Grundlage berechnen sie Wahrscheinlichkeiten und steuern, welche Profile häufiger angezeigt werden. Wie diese Sichtbarkeit konkret entsteht, wird im Beitrag zur Matching-Logik und Sichtbarkeit detailliert erläutert.
Das kann sinnvoll sein. Gemeinsame Interessen, ähnliche Lebensphasen oder vergleichbare Zielvorstellungen erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass ein Gespräch zustande kommt.
Doch Wahrscheinlichkeit ist nicht gleich Passung.
Warum Datenähnlichkeit keine echte Passung ersetzt
Viele Plattformen arbeiten mit dem Prinzip der Ähnlichkeit: Je mehr Überschneidungen in Antworten oder Interessen, desto höher die Matching-Wahrscheinlichkeit.
Im realen Leben funktionieren Beziehungen jedoch nicht ausschließlich nach Ähnlichkeit.
Unterschiedliche Persönlichkeiten können sich ergänzen. Gemeinsame Interessen garantieren keine emotionale Verbindung. Selbst identische Lebensziele führen nicht automatisch zu harmonischer Kommunikation.
Algorithmen bewerten messbare Informationen. Zwischenmenschliche Dynamik entsteht jedoch in Nuancen, die sich nicht vollständig digital erfassen lassen.
- Gemeinsame Interessen
- Ähnliche Antworten
- Vergleichbare Lebensziele
- Aktivitätsmuster
- Standort, Alter und Präferenzen
- Humor und Gesprächsdynamik
- Vertrauen und emotionale Nähe
- Anziehung und gegenseitige Wirkung
- Umgang mit Konflikten
- Entwicklung über Zeit
Die Grenzen datenbasierter Systeme
Algorithmen arbeiten mit dem, was eingegeben oder gemessen wird. Das bringt mehrere strukturelle Grenzen mit sich:
1. Selbstdarstellung ist selektiv
Profile zeigen eine kuratierte Version der eigenen Person. Antworten auf Fragen spiegeln Wunschbilder, Idealvorstellungen oder Momentaufnahmen wider.
Das System berechnet auf Basis dieser Daten – nicht auf Basis real gelebter Verhaltensmuster.
2. Kontext fehlt
Humor, Tonfall, Körpersprache und situative Reaktionen sind im Matching-Prozess nicht enthalten. Diese Faktoren entscheiden jedoch häufig darüber, ob echte Passung entsteht.
3. Dynamik entwickelt sich erst im Austausch
Beziehung entsteht im Gespräch, nicht im Fragebogen. Selbst ein hoher Matching-Wert ersetzt nicht die reale Interaktion.
Algorithmen können Kontakte vorschlagen. Ob daraus Verbindung entsteht, entscheidet sich außerhalb der Berechnung.
Eine detaillierte Einordnung der technischen Struktur und Sichtbarkeitslogik findest du im Beitrag „Wie Dating-Plattformen funktionieren – Struktur, Algorithmus und Geschäftsmodell“.
Engagement-Logik statt Beziehungslogik
Dating-Plattformen verfolgen neben dem Matching auch wirtschaftliche Ziele. Systeme werden nicht ausschließlich auf Passung optimiert, sondern auch auf Aktivität.
Algorithmen können daher:
- aktive Profile stärker anzeigen
- Interaktionen belohnen
- Sichtbarkeit dynamisch anpassen
Kostenpflichtige Mitgliedschaften können diese Sichtbarkeitsmechanik teilweise beeinflussen, indem einige Plattformen zusätzliche Funktionen oder Reichweite freischalten.
Das Ziel ist eine lebendige Plattform. Beziehungsqualität ist dabei ein Faktor – aber nicht der einzige.
Wer Algorithmen als reine Beziehungsarchitekten betrachtet, unterschätzt diese strukturelle Realität.
Erwartungen an Technik realistisch einordnen
Ein häufiger Denkfehler lautet: Wenn ein Match zustande kommt, muss es passen.
Diese Erwartung erhöht Druck und Enttäuschung. Ein digitales Matching ist kein Qualitätsversprechen, sondern ein Kontaktvorschlag. Dass Matches nicht zustande kommen oder nicht passen, sagt dabei nichts über den eigenen Wert aus.
Dass Algorithmen keine Passung garantieren bedeutet nicht, dass sie nutzlos sind. Sie strukturieren Auswahl. Sie reduzieren Zufall. Sie filtern nach Kriterien.
Aber sie ersetzen nicht:
- persönliche Reife
- Kommunikationsfähigkeit
- emotionale Stabilität
- realistische Erwartungshaltung
Warum Menschen Algorithmen mehr vertrauen als ihrem eigenen Urteil
Dating-Algorithmen wirken auf viele Menschen objektiver als die eigene Wahrnehmung. Matching-Werte, Prozentangaben und Persönlichkeitstests vermitteln den Eindruck, dass Passung messbar und berechenbar sei.
Genau darin liegt jedoch eine Besonderheit moderner Dating-Plattformen. Zahlen erzeugen häufig mehr Vertrauen als persönliche Eindrücke. Ein Matching-Wert von 85 Prozent wirkt konkreter als das Gefühl, dass ein Gespräch angenehm verläuft oder eine Begegnung interessant erscheint.
Dabei beschreiben solche Werte lediglich statistische Wahrscheinlichkeiten auf Grundlage bestimmter Daten. Sie sagen nichts darüber aus, wie sich zwei Menschen tatsächlich erleben, wie Konflikte gelöst werden oder wie sich gegenseitige Anziehung im Alltag entwickelt.
Hinzu kommt, dass Zahlen Unsicherheit reduzieren. Menschen wünschen sich Orientierung, besonders bei Themen wie Partnersuche und Beziehungen. Ein hoher Matching-Wert vermittelt deshalb oft mehr Sicherheit, als er tatsächlich bieten kann.
Dating-Algorithmen können Auswahl strukturieren und Kontakte wahrscheinlicher machen. Die eigentliche Qualität einer Verbindung entsteht jedoch nicht durch Berechnung, sondern durch Erfahrung. Wer Algorithmen als Orientierungshilfe statt als Entscheidungsinstanz betrachtet, bewertet digitale Empfehlungen meist realistischer.
Warum hohe Match-Quoten keine Sicherheit geben
Hohe Matching-Werte wirken oft wie ein Qualitätsmerkmal. Je größer die angezeigte Übereinstimmung, desto naheliegender erscheint die Annahme, dass daraus auch eine passende Beziehung entstehen müsste.
Tatsächlich beschreiben Matching-Werte jedoch nur die Ähnlichkeit bestimmter Daten. Sie zeigen, wie ähnlich Antworten, Interessen oder Präferenzen ausfallen. Ob daraus Vertrauen, Anziehung, gegenseitiges Verständnis oder langfristige Stabilität entstehen, lässt sich daraus nicht ableiten.
Genau deshalb können zwei Menschen mit einer hohen Übereinstimmung keine Verbindung entwickeln, während andere Begegnungen mit deutlich niedrigeren Werten überraschend gut funktionieren.
Matching-Werte sind deshalb keine Beziehungsprognosen. Sie liefern Orientierung – die eigentliche Passung zeigt sich erst im persönlichen Austausch.
- Ähnliche Interessen
- Vergleichbare Antworten
- Gemeinsame Präferenzen
- Überschneidungen bei Lebenszielen
- Statistische Wahrscheinlichkeiten
- Vertrauen und emotionale Nähe
- Anziehung und Chemie
- Gesprächsdynamik
- Umgang mit Konflikten
- Langfristige Beziehungsqualität
Passung ist kein statischer Zustand
Ein weiterer Punkt wird häufig übersehen: Passung ist kein fixer Wert, der einmal berechnet und dauerhaft gültig bleibt.
Menschen entwickeln sich. Lebensphasen verändern Prioritäten, Bedürfnisse und Erwartungen. Was heute als attraktiv oder passend erscheint, kann sich in wenigen Jahren verschieben. Algorithmen arbeiten jedoch mit Momentaufnahmen – mit Antworten, die zu einem bestimmten Zeitpunkt gegeben wurden.
Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Viele Nutzer formulieren Präferenzen auf Basis von Wunschvorstellungen, nicht auf Basis tatsächlicher Beziehungserfahrung. Das System optimiert auf deklarierte Kriterien, nicht auf langfristig tragfähige Muster. Dadurch kann ein Match rechnerisch sinnvoll erscheinen, ohne emotional oder biografisch stabil zu sein.
Passung entsteht daher nicht durch die Übereinstimmung einzelner Parameter, sondern durch die Fähigkeit zweier Menschen, sich im Austausch weiterzuentwickeln.
Warum die beste Beziehung oft nie berechnet werden könnte
Viele Menschen gehen davon aus, dass die beste Beziehung auch die höchste rechnerische Übereinstimmung besitzen müsste. Diese Vorstellung erscheint logisch, greift jedoch häufig zu kurz.
Beziehungen entstehen nicht ausschließlich durch Gemeinsamkeiten. Oft entwickeln sich starke Verbindungen zwischen Menschen, die sich in bestimmten Bereichen unterscheiden, sich gegenseitig ergänzen oder gemeinsam wachsen. Solche Dynamiken lassen sich nur schwer in feste Kriterien übersetzen.
Hinzu kommt, dass Menschen nicht statisch sind. Interessen verändern sich, Prioritäten verschieben sich und Lebenssituationen entwickeln sich weiter. Ein Algorithmus kann nur mit Informationen arbeiten, die zu einem bestimmten Zeitpunkt vorliegen. Er kann jedoch nicht vorhersagen, welche Bedeutung eine Begegnung Monate oder Jahre später haben wird.
Viele langfristige Beziehungen würden vermutlich nie durch einen perfekten Matching-Wert beschrieben werden. Sie entstehen durch gemeinsame Erfahrungen, Vertrauen, Entwicklung und gegenseitige Anpassung. Genau diese Prozesse beginnen erst nach dem ersten Kontakt.
Die vielleicht passendste Beziehung ist deshalb nicht zwangsläufig die rechnerisch wahrscheinlichste. Sie ist häufig die Verbindung, die sich im Laufe der Zeit als tragfähig erweist – unabhängig davon, wie hoch ein Matching-Score ursprünglich ausgefallen wäre.
Die wichtigste Beziehung deines Lebens muss nicht die höchste Übereinstimmung besitzen.
Dating-Algorithmen vergleichen Daten, Interessen und Wahrscheinlichkeiten. Beziehungen entstehen jedoch nicht durch Übereinstimmung allein. Vertrauen, Anziehung, gemeinsame Entwicklung und gegenseitige Unterstützung lassen sich nicht vollständig berechnen. Die tragfähigsten Verbindungen entstehen häufig nicht dort, wo alles perfekt zusammenpasst, sondern dort, wo zwei Menschen langfristig zueinander passen.
Passung entsteht im Prozess
Echte Passung zeigt sich selten in Profilen, Fragebögen oder Matching-Werten. Sie entsteht dort, wo zwei Menschen beginnen, miteinander Erfahrungen zu machen.
Erst im Austausch wird sichtbar, wie Gespräche verlaufen, wie mit unterschiedlichen Meinungen umgegangen wird oder ob Vertrauen und gegenseitiges Verständnis wachsen können. Viele Eigenschaften, die für langfristige Beziehungen entscheidend sind, lassen sich nicht im Voraus berechnen. Sie entwickeln sich Schritt für Schritt im Kontakt mit einer anderen Person.
Hinzu kommt, dass Menschen nicht statisch sind. Bedürfnisse, Prioritäten und Lebenssituationen verändern sich im Laufe der Zeit. Eine Beziehung funktioniert deshalb nicht allein aufgrund gemeinsamer Interessen oder ähnlicher Antworten, sondern weil zwei Menschen lernen, miteinander umzugehen und sich gemeinsam weiterzuentwickeln.
Genau deshalb kann ein Dating-Algorithmus Begegnungen wahrscheinlicher machen, aber keine Passung garantieren. Die eigentliche Beziehungsrealität beginnt erst nach dem Matching.
Passung ist kein Ergebnis einer Berechnung. Passung ist ein Prozess, der sich durch Gespräche, gemeinsame Erfahrungen, gegenseitige Wahrnehmung und die Entwicklung von Vertrauen entfaltet.
Eine übergeordnete Einordnung der Dynamiken und Grenzen findest du in der Männerfaktur Dating Realität.
Was macht eine Begegnung für dich wirklich wertvoll?
- Gemeinsame Interessen und ähnliche Lebensziele?
- Vertrauen und emotionale Sicherheit?
- Gute Gespräche und gegenseitiges Verständnis?
- Humor, Anziehung und gemeinsame Erfahrungen?
- Die Fähigkeit, sich gemeinsam weiterzuentwickeln?
Häufige Denkfehler bei Dating-Algorithmen
Dating-Algorithmen werden häufig als objektive Systeme betrachtet, die passende Menschen zuverlässig zusammenführen können. Dadurch entstehen Erwartungen, die weder der technischen Realität noch zwischenmenschlicher Dynamik vollständig entsprechen. Viele Enttäuschungen beim Online-Dating entstehen deshalb weniger durch einzelne Plattformen als durch unrealistische Vorstellungen darüber, was Algorithmen tatsächlich leisten können.
„Ein Match bedeutet automatisch Passung“
Ein Match zeigt zunächst nur, dass bestimmte Kriterien oder Interaktionen zusammenpassen. Ob daraus echte Verbindung entsteht, entscheidet sich jedoch erst im Gespräch und im persönlichen Austausch.
„Mehr Daten führen automatisch zu besseren Beziehungen“
Auch umfangreiche Fragebögen oder Persönlichkeitstests erfassen nur einen Teil menschlicher Wirklichkeit. Emotionale Dynamik, Humor, Timing oder gegenseitige Wirkung lassen sich nicht vollständig berechnen.
„Hohe Matching-Werte bedeuten hohe Beziehungschancen“
Prozentwerte oder Scores wirken objektiv, basieren jedoch meist auf Datenähnlichkeit. Gemeinsame Antworten garantieren weder emotionale Stabilität noch langfristige Kompatibilität.
„Wenig Matches bedeuten geringe Attraktivität“
Die Sichtbarkeit auf Dating-Plattformen wird von vielen Faktoren beeinflusst – darunter Aktivität, Plattformlogik, Konkurrenzsituation und algorithmische Verteilung. Wenige Matches sagen deshalb nur begrenzt etwas über den eigenen Wert oder die eigene Wirkung aus.
„Algorithmen können menschliche Dynamik vollständig erfassen“
Zwischenmenschliche Verbindung entsteht oft in Situationen, Reaktionen und Gesprächen, die sich digital kaum messen lassen. Dating-Algorithmen können Kontakte strukturieren, aber keine Beziehung berechnen.
„Die perfekte Plattform löst Dating-Probleme automatisch“
Auch technisch ausgereifte Plattformen ersetzen keine Kommunikationsfähigkeit, emotionale Stabilität oder realistische Erwartungen. Online-Dating bleibt trotz algorithmischer Unterstützung ein sozialer Prozess – keine mathematische Garantie auf Passung.
FAQ
Fazit
Warum Dating-Algorithmen keine Passung garantieren – und Beziehungen nicht berechnet werden können, liegt nicht an einer Schwäche der Technik. Die eigentliche Grenze entsteht dort, wo menschliche Beziehungen komplexer werden als Daten, Fragebögen und statistische Modelle.
Dating-Algorithmen können Interessen vergleichen, Auswahl strukturieren und Begegnungen wahrscheinlicher machen. Sie können jedoch nicht erfassen, wie Vertrauen entsteht, wie Menschen miteinander kommunizieren oder wie sich eine Verbindung über Monate und Jahre entwickelt. Genau deshalb sind hohe Matching-Werte kein Versprechen für eine Beziehung und niedrige Werte kein Beweis für fehlende Passung.
Die vielleicht wichtigste Erkenntnis lautet: Passung ist kein Zustand, der berechnet wird. Passung entsteht im Austausch. Sie entwickelt sich durch Gespräche, gemeinsame Erfahrungen, gegenseitige Wahrnehmung und die Fähigkeit zweier Menschen, miteinander umzugehen.
Wer Dating-Algorithmen als Orientierungshilfe statt als Beziehungsprognose betrachtet, bewertet Online-Dating meist realistischer. Die Frage ist dann nicht mehr, welcher Mensch rechnerisch am besten passt, sondern mit wem sich tatsächlich eine tragfähige Verbindung entwickeln kann.
Dating-Algorithmen können den ersten Kontakt erleichtern. Ob daraus Nähe, Vertrauen und Beziehung entstehen, entscheidet sich jedoch immer außerhalb der Berechnung.
Warum moderne Partnersuche dabei oft mit unrealistischen Erwartungen verbunden ist, ordnet außerdem der Artikel Dating heute – Erwartungen, Realität und typische Fehlannahmen ausführlicher ein.

Weitere Artikel zum Thema
Dating Profil erstellen – Fotos, Profiltext und typische Fehler
Fotos beim Online Dating – welche Bilder wirklich wirken – Einordnung statt Selbstdarstellung
Erste Nachricht beim Online Dating: Was wirklich funktioniert – und was nicht
Erstes Date – Ablauf, Erwartungen und typische Missverständnisse
Quellen und weiterführende Informationen
- Pew Research Center: Untersuchungen zu Online-Dating, Nutzerverhalten, digitalen Beziehungen und modernen Formen der Partnersuche.
- Journal of Social and Personal Relationships: Forschung zu Partnerwahl, Beziehungsentwicklung, Attraktivität, Passung und langfristigen Partnerschaften.
- Personal Relationships (Wiley): Wissenschaftliche Veröffentlichungen zu Beziehungsqualität, Kompatibilität, Bindung und Partnerschaftsdynamiken.
- Journal of Marriage and Family: Studien zu Partnerschaft, Lebensphasen, langfristigen Beziehungen und sozialen Einflussfaktoren auf Partnerwahl.
- American Psychological Association (APA): Erkenntnisse zu Entscheidungsverhalten, sozialer Wahrnehmung, Attraktivität und zwischenmenschlichen Beziehungen.
- Association for Psychological Science (APS): Forschung zu Urteilsbildung, Wahrnehmungsverzerrungen, Unsicherheit und menschlichen Entscheidungen.
- Journal of Computer-Mediated Communication: Wissenschaftliche Untersuchungen zu Online-Kommunikation, Dating-Plattformen, Matching-Systemen und digitalen Interaktionen.
- Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften (GESIS): Forschung zu Partnerschaft, Beziehungsformen, gesellschaftlichem Wandel und digitaler Partnersuche.
- Bundeszentrale für politische Bildung (bpb): Informationen zu Digitalisierung, sozialen Plattformen und Veränderungen zwischenmenschlicher Kommunikation.
- Statista: Daten zur Nutzung von Dating-Apps, Online-Dating-Märkten und Entwicklungen digitaler Partnersuche.
Hinweis
Dating-Algorithmen können große Mengen an Informationen auswerten, Gemeinsamkeiten erkennen und potenziell passende Kontakte vorschlagen. Die Einordnung in diesem Artikel basiert auf Erkenntnissen aus Beziehungsforschung, Sozialpsychologie, Kommunikationspsychologie sowie Untersuchungen zu Online-Dating und digitalen Matching-Systemen.
Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen statistischer Übereinstimmung und tatsächlicher Passung. Matching-Werte beschreiben Wahrscheinlichkeiten auf Grundlage vorhandener Daten. Vertrauen, Anziehung, emotionale Nähe, gemeinsame Entwicklung und langfristige Beziehungsqualität entstehen jedoch erst im realen Austausch zwischen Menschen. Dating-Algorithmen können Orientierung bieten und Auswahl strukturieren, sie können jedoch nicht vorhersagen, welche Verbindung sich langfristig als tragfähig erweist.
